Psychomotorische Abklärung

Zur Beurteilung, ob eine Therapie für ihr Kind angezeigt ist, kann eine psychomotorische Abklärung Aufschluss bringen. Die Abklärung soll Auskunft darüber geben, wie die Wahrnehmung, die Motorik, die sozial-emotionale Entwicklung und die Kognition ihres Kindes zusammenspielen.

Im Austausch mit den Eltern und beteiligten Fachpersonen werden die Stärken und Schwierigkeiten des Kindes besprochen. Gemeinsam wird entschieden, ob eine Psychomotoriktherapie oder eine andere Massnahme angezeigt ist, um das Kind in seiner weiteren Entwicklung zu unterstützen.

Was beobachtet die Therapeutin bei der Abklärung?

Körperhaltung und manuelles Geschick, Art und Weise der Bewegung

Wie koordiniert das Kind seine Bewegungen? Hat es ein gutes Gleichgewichtsgefühl? Kann es seine Kräfte einteilen? Kann es präzise Bewegungen in Koordination mit dem Blick ausführen?

Louis (9 Jahre) fühlt sich im Sportunterricht nicht wirklich wohl. Er stolpert oft beim Laufen; er hat Schwierigkeiten, auf einem Balken zu balancieren oder sich an den Ringen zu halten und zu schwingen


Grafomotorik

Kann das Kind flüssig schreiben? Wie hält es den Stift? Wie ist die Strichführung beim Schreiben? Wie orientiert sich das Kind auf dem Papier? Wie ist die Kraftdosierung und die Atmung beim Schreiben oder Zeichen?

Rosa (6 Jahre) zeichnet und schreibt nicht gerne, weil sie das sehr anstrengt. Sie hat Schwierigkeiten, einen Stift zu halten und muss dafür so viel Energie aufwenden, dass sie schnell verkrampft und erschöpft ist.


Körperwahrnehmung, Körperbild und Entwicklung der Seitigkeit

Kennt das Kind seinen eigenen Körper und den anderer Personen? Kann es Körperteile benennen und zeigen? Setzt es eher die rechte oder die linke Hand ein? Wie geht es mit den Gegenständen in seiner Umgebung um?

Cinzia (7 Jahre) sitzt auf dem Schaukelbrett zu weit vorne, so dass sie immer wieder herunter rutscht. Zudem umfasst sie mit den Armen die Seile nicht, so dass sie sich nicht gut festhalten kann. Auch fühlt sie nicht, wie sie ihre Beine im Rhythmus der Schaukel nach vorne und zurück bewegen muss, damit sie mehr Schwung erhält. Daher bereitet ihr das selbständige Schaukeln immer noch grosse Schwierigkeiten.


Sinneswahrnehmung

Wie reagiert das Kind auf Sinnesreize: Töne, Klänge, visuelle Reize oder Berührungen? Wie gut kann es seinen Körper wahrnehmen?

Emilia (13 Jahre) verletzt sich sehr oft bei körperlichen Übungen, weil sie die Grenzen ihres Körpers nicht kennt und keine Schmerzen fühlt. Nachdem sie sich einmal den Knöchel verstaucht hatte, blieb die Verletzung vier Tage lang unbehandelt, weil Emilia den Schmerz nicht spürte.


Räumliche und zeitliche Orientierung

Kann sich das Kind räumlich orientieren und den Weg zurück finden? Hat es eine Vorstellung von der Zeit? Kann es problemlos von einer Aktivität auf eine andere «umschalten»?

Nach der Pause läuft Reto (7 Jahre) hin und her, anstatt – wie seine Kameraden – die Jacke auszuziehen und in den Klassenraum zu gehen.


Nonverbale und verbale Kommunikation, Beziehung zu anderen und Regulierung von Gefühlen

Wie verhält sich das Kind? Ist es aggressiv oder impulsiv? Ist es ängstlich oder extrem schüchtern? Wie reif ist das Kind? Fühlt es sich im Kontakt zu anderen wohl?

Nadia (10 Jahre) ist ein sensibles und eher ängstliches Mädchen. Sie hat Schwierigkeiten, ihren Platz in der Gruppe zu finden und spielt nur sehr wenig mit ihren Klassenkameraden. In die Schule zu gehen, verlangt ihr tagtäglich sehr viel Mut und Energie ab. Daher hat sie zu Hause regelmässig heftige Wutausbrüche oder bricht in Tränen aus.


Eigenständigkeit

Kann das Kind alltägliche Bewegungsmuster eigenständig ausführen (Kleider und Schuhe anziehen, essen usw.)? Sucht es Hilfestellung bei Erwachsenen?

Luana (8 Jahre) möchte gerne mit den Schaumstoffklötzen einen Turm bauen. Sie legt zwei Klötze aufeinander. Um den dritten Klotz darauf zu legen, fehlt ihr die Kraft und die Grösse. Da sie selbst keine Lösung findet, um ans Ziel zu gelangen, schaut sie fragend zur Therapeutin. Diese zeigt auf den Hocker, der neben ihr steht. Luana schaut ihn an, versteht aber nicht, dass dieser ihr nützlich sein könnte, um den Turm fertig zu bauen


Konzentration und Aufmerksamkeit

Hört das Kind aufmerksam zu, wenn man mit ihm spricht? Kann es sich auf das konzentrieren, was es gerade tut? Ist es unruhig und ständig in Bewegung? Kann es eine Aktivität ohne mehrfaches Unterbrechen zu Ende bringen?

Alex (8 Jahre) ist sehr kreativ und denkt sich ständig Geschichten aus. Ganz in seine Gedankenwelt versunken, braucht er morgens sehr viel Zeit, um sich anzuziehen, die Zähne zu putzen und seine Schulsachen einzupacken. Sein Schreibtisch im Klassenraum ist immer unordentlich, er träumt und hört seiner Lehrerin nicht zu. Daher hat er auch Schwierigkeiten, im Unterricht mitzukommen. Andererseits versteht und bemerkt er Dinge, die anderen Kindern vollkommen entgehen. In der Psychomotorikstunde lernt Alex seinen Körper bewusster wahrzunehmen und eigene Handlungen fokussierter und konzentrierter durch zu führen.


Die Psychomotoriktherapie eignet sich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die motorische oder emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten oder Schwierigkeiten in ihren Beziehungen zu anderen haben.

SEKRETARIAT

Psychomotorik Schweiz
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Nicole Messner, Sachbearbeiterin
Montag: 9:00 - 12:30 Uhr
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